Es gibt ca. 100 verschiedene Android Smartphones auf dem Markt, viele davon noch in verschiedenen Versionen. Dieser Artikel soll dabei helfen, das beste Gerät für die eigenen Ansprüche und das persönliche Budget zu finden.
Der TechnoViel Smartphone Vergleich vermittelt einen Überblick über alle gängigen Android Smartphones auf dem Markt – es sind z.Zt. gut 90 Geräte in fast 200 Varianten. Vom Billig-Smartphone für unter 100,- EUR bis hin zum Quad-Core Boliden für über 500,- EUR findet man hier reichlich Auswahl – nur wie finde ich aus dieser Vielzahl das richtige Gerät für mich? Dieser Artikel soll dabei helfen, die wichtigen Merkmale zu kennen und durch deren Einschränkung im Vergleich die Auswahl auf ein handliches Maß zu reduzieren. Fangen wir mit dem wichtigsten Bauteil eines jeden Smartphones an:
Das Display ist ohne Zweifel der wichtigste Aspekt eines Smartphones: Es ist für alle Anzeigen zuständig und dient mit dem integrierten Touchscreen auch als Eingabemedium. Seine Größe bestimmt die Maße des Smartphones – ein Mini-Handy mit Riesen Display ist nun mal nicht möglich. Zudem gibt die Auflösung an, wie viele Informationen man auf dem vorhandenen Raum anzeigen kann und wie gut diese aussehen. Übliche Größen beginnen bei 3,5 Zoll (ca. 8,9cm), dies ist z.B. die Größe der iPhones bis hin zum 4s – heutzutage gehören 3,5″ Geräte zu den kleinen Smartphones. Sehr weit verbreitet sind die Größen 4 und 4,3 Zoll, die je nach persönlicher Vorliebe (und der eigenen Hand) noch halbwegs mit einer Hand bedienbar sind. Die heutigen Top-Smartphones sind noch größer (4,6-4,7 Zoll) – sie können zwar besonders viel Inhalte anzeigen (vor allem beim Surfen sehr angenehm), man muss aber damit rechnen, so gut wie immer zwei Hände zur Bedienung zu benötigen; außerdem gucken solche Handys gerne über den Rand der Hemdtasche hinaus. Um die optimale Größe für den eigenen Geschmack herauszufinden lohnt es sich im Laden mal verschiedene Größen ausführlich zu “begrabbeln”. Wichtig dabei; Wie gut erreiche ich die wichtigen Bedienelemente wie z.B. die Statusleiste und den Zurück-Knopf? Geht dies noch mit einer Hand?
Ein großes Display bringt recht wenig, wenn es nur wenige Punkte (“Pixel”) anzeigen kann. Ich würde heute nur noch in Ausnahmefällen zu einem Smartphone mit weniger als 480×800 Pixeln raten, schließlich gibt es schon für ca. 100 EUR brauchbare Geräte mit dieser Auflösung (z.B. ZTE Blade, ZTE Atlas) und bei geringeren Auflösungen fehlt oft der Platz auf dem Display. Zudem setzen einige Apps diese Auflösung als Minimum voraus. Mit 540×960 (qHD) kann man schon ein paar mehr Details mehr sehen, die Krönung stellt zur Zeit die “kleine HD-Auflösung” 720×1280 dar – das ist z.B. die Auflösung, in der ARD und ZDF ihr HD Programm ausstrahlt, hier allerdings auf eine Bildschirmdiagonale von weniger als 12cm zusammen “gequetscht”. Das sorgt dafür dass man keine einzelnen Pixel mehr erkennen kann und auch bei kleinen Schriften eine gestochen scharfe Darstellung erhält.
Übrigens wird bei der Displayauflösung von Smartphones wegen des hochkant-Formats normalerweise der kleinere Wert zuerst angegeben, daher die ungewöhnlichen Angaben wie 720×1280 anstelle von 1280×720. Manchmal sieht man es auch andersherum, gemeint ist aber grundsätzlich das Gleiche.
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Displaytypen: LCD und AMOLED. AMOLEDs fallen durch einen extrem guten Schwarzwert (schwarz ist wirklich schwarz und schimmert nicht grau durch) und besonders kräftige Farben auf. Diese Farbintensität ist durchaus Geschmackssache, manchen ist das zu Bonbon-bunt, viele Anwender mögen es. LCDs kommen an beide Werte nicht heran, haben aber manchmal eine natürlichere Farbgebung. Generell sind die Qualitätsunterschiede bei LCDs viel größer – es gibt Top-Displays (wie z.B. beim HTC One X), aber auch sehr schlechte mit flauen Farben und starker Blickwinkelabhängigkeit (von der Seite betrachtet verblasst das Bild oder die Farben ändern sich sogar). Dagegen scheint die Qualität von AMOLED sehr konstant zu sein – mir ist bislang noch kein schlechtes oder auch nur mäßiges AMOLED Display untergekommen.
AMOLED Displays haben aber auch einen Nachteil: Sie basieren fast immer auf der sogenannten Pentile Matrix, verwenden also pro Pixel weniger farbige Subpixel als die übliche RGB Matrix (einzige Ausnahme bilden bisher die AMOLED+ Displays von Samsung im Galaxy S2 und Note 2). Bei starker Vergrößerung kann man hier deutlich ausgefranste Kanten erkennen (s. Bild), ich persönlich kann das aber mit bloßem Auge nicht sehen.
Die Darstellungsqualität kann man natürlich nur sehr eingeschränkt anhand technischer Daten bewerten, hier lohnt es sich das Produkt einmal selber genauer anzusehen oder zumindest einige Testberichte zu lesen.
Wie schon gesagt wird das Gehäuse durch das Display dominiert, die Tendenz geht hin zu immer dünneren Rändern um das Display herum und zu immer flacheren Gehäusen. Dieser “Schlankheitswahn” mit Geräte-Tiefen um die 7-9mm führt leider auch dazu, dass man oft den Akku nicht mehr wechseln kann, oft wird auch die Speicherkarte eingespart und eine Micro-SIM vorausgesetzt. Metallgehäuse (z.B. aus Alu) wirken besonders stabil und wertig, sind aber meist auch schwerer.
Manche Gehäuse in Hochglanz-Plastik sind nicht nur Geschmackssache (ich persönlich finde das sieht billig aus), sondern liegen auch recht flutschig in der Hand – am besten mal selber in die Hand nehmen.
Der Prozessor bestimmt maßgeblich wie schnell ein Computer arbeitet – und das hat bei Smartphones nicht nur Auswirkungen auf irgendwelche Berechnungen, Programmstarts oder Spiele, sondern beeinflusst auch enorm, wie flüssig sich das Gerät im Alltag bedienen lässt. Wenn der Bildschirminhalt dem Fingerwisch nur unwillig und ruckelnd folgt, macht der Umgang mit dem Smartphone schnell keinen Spaß mehr. Ein Prozessor mit 1GHz Taktfrequenz oder mehr bietet hier eine gute Basis, noch mehr Leistung bieten die Dual-Core Prozessoren. Aktuelle Top-Geräte haben sogar Quad-Cores (also CPUs mit 4 Rechenkernen) – ob man diese aber wirklich benötigt, sei mal dahingestellt.
Leider ist auch ein Dual-Core Prozessor kein Garant für eine ruckelfreie Bedienung – hier spielen auch die Anpassung von Android an das jeweilige Gerät, Veränderungen des Herstellers an der Android-Oberfläche sowie die Konfiguration der Oberfläche eine große Rolle. So kann z.B. das Abschalten eines Live-Hintergrunds (bewegte Hintergrundbilder im Homescreen) und das Entfernen nicht benötigter Widgets zumindest den Umgang mit den Homescreens enorm beschleunigen. (s. Test des Sony Xperia P). Anders herum kann sogar ein Smartphone mit nur 600MHz CPU (im Moment das untere Ende der Skala) mit der richtigen Software recht flüssig bedienbar sein, hier ist aber meisten Handarbeit (im Sinne der Installation eines CustomROM und der optimalen Einstellungen) nötig.
Beim Speicher unterscheidet man ähnlich wie beim PC zwischen RAM und dem Festspeicher. Letzter wird auch Flashspeicher (oder oft einfach nur “Speicher”) genannt und ist in etwa mit der Festplatte eines PCs vergleichbar – hier werden Apps, Fotos, Daten usw. dauerhaft gespeichert. Das RAM ist dagegen ein flüchtiger Speicher und bestimmt vor allem die Arbeitsgeschwindigkeit des Smartphones. Es sollten schon mindesten 512MB RAM sein, mit 1GB ist man auf der sicheren Seite.
Flashspeicher kann man eigentlich nie zu viel haben, denn wer mag schon keine Fotos mehr machen oder keine Apps mehr installieren können, weil der Speicher plötzlich voll ist? Zum Glück lassen sich viele Geräte durch microSD-Speicherkarten erweiterten, allerdings ist dieser Speicher nicht gleichwertig mit dem fest eingebauten – so kann man z.B. viele Apps nicht dort installieren. Wer aber nicht extrem viele Apps installieren will sollte mit einem Gigabyte Speicher plus Speicherkarte (diese werden meist bis 32 GB, manchmal auch 64GB akzeptiert) auskommen. Kritisch wird es schnell bei Geräten ohne Speichererweiterung und wenig eingebautem Speicher, wie z.B. dem Sony Xperia U oder dem Panasonic Eluga mit jew. 8GB Speicher. Beim Xperia U sind nur noch 2GB für Apps und 4GB für weitere Daten (also alle Fotos, Musik, Filme usw.) übrig – das wird sehr schnell eng.
Deshalb ist ein micro-SD Karten-Slot immer ein sehr empfehlenswertes Ausstattungsmerkmal, erst recht wenn die Karte wie z.B. beim Huawei Ascend P1 oder den Motorola Razr Modellen im laufenden Betrieb gewechselt werden kann – so kann man mal schnell ein paar Schnappschüsse oder Videos mit Freunden austauschen.
Beim Akku stehen die Handy-Hersteller vor einem Dilemma: Je mehr Akku-Kapazität man haben will, um so größer und schwerer wird das Gerät. Aber der Erfolg von Modellen wie dem Razr Maxx (eine dickere, schwerere Variante des ansonsten dünnsten Androiden Motorola Razr) zeigt, dass die Käufer große Akkus durchaus zu schätzen wissen. Bei kleinen Handys reciht locker ein 1200mAh Akku, je größer das Display, um so stärker sollte auch der Akku sein (gegenüber dem Display fallen die anderen Stromverbraucher – selbst eine Quad-Core CPU – kaum ins Gewicht). Bei den großen Top-Modellen sind Akkugrößen von 1800-2000mAh üblich. Generell sollte man sich als Smartphone-Käufer darauf einstellen, sein Gerät jede Nacht aufladen zu müssen. Nur bei ganz wenigen Modellen oder bei besonders wenig Gebrauch kommt man mehrere Tage aus.
Ein Android Gerät ist ohne Verbindung zum Internet nur sehr eingeschränkt zu gebrauchen. Zu Hause, bei der Arbeit oder in der Uni ist das oft über ein WLAN erreichbar – normalerweise die schnellste und günstigste Art, ins Netz der Netze zu kommen. Unterwegs können alle aktuellen Android Geräte zumindest per UMTS mit 3,6 MBit/s Daten empfangen, verschiedene UMTS Varianten gehen bis 42MBit/s Downloadgeschwindigkeit – im TechnoViel Smartphonevergleich ist immer die maximal mögliche Geschwindigkeit angegeben, wobei die Angaben der Hersteller hier leider manchmal unvollständig sind, der tatsächliche Werte evtl. also höher sein kann. Noch schneller geht es mit LTE, hier sind (theoretisch) bis zu 100MBit/s drin – allerdings ist die Abdeckung noch nicht sehr gut. Bevor man also viel Geld für ein LTE-Gerät ausgibt sollte man sicher stellen, dass man in seiner Umgebung LTE Empfangen kann und auch den passenden Vertrag hat.
Auch wenn die heutigen Top-Smartphones erstaunlich gute Fotos machen können, ist so ein Gerät nicht wirklich ein Ersatz für einen ordentlichen Fotoapparat – vor allem die extrem kompakte Bauweise setzen da enge Grenzen. Spätestens bei schlechten Lichtverhältnissen wird es schwer, mit einem Smartphone brauchbare Bilder zu bekommen. Aber für viele Situationen ist es einfach toll, eine brauchbare “Handy-Knipse” dabei zu haben. Dabei sollte man sich aber nicht einfach auf die Menge der Megapixel verlassen – auch eine 8MP-Kamera kann richtig schlechte Fotos machen. Hier helfen oft Testberichte weiter, gerade wenn die Qualität verschiedener Modelle im direkten Vergleich untersucht wird. Eine zusätzliche “Front-Kamera” ermöglicht Video-Chats oder -Telefonate.
Auch wenn die Wahl des Betriebssystems schon feststehen sollte (fast alles hier gesagt trifft auch auf iOS und Windows-Phones zu, auch wenn ich mich hier auf Android beziehe), gibt es hier noch einige Unterschiede: So werden immer noch Smartphones mit den mehrere Jahre alten Android Versionen 2.2 und 2.3 verkauft. Ich würde diese nur bei sehr begrenztem Budget oder Leuten empfehlen, die sich gerne mit der Technik und Software beschäftigen und Spaß am experimentieren mit CustomROMs haben. Ansonsten sollte ein neues Gerät eigentlich mindesten Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) haben, ganz aktuell ist zur Zeit 4.1 (Jelly Bean) und vermutlich wird schon bald 4.2 vorgestellt.
Viele Hersteller – vor allem die großen Namen wie Samsung, HTC, Sony und Motorola – “verschlimmbessern” Android durch recht starke Modifikationen. Ich persönlich finde das “normale Android” (der aus dem Englischen kommende Begriff “Vanilla Android” hat sich hier eingebürgert) am angenehmsten, die Herstellerspezifischen Oberflächen fügen dem wenig Sinnvolles zu, verschlechtern aber oft die Performance enorm. Zudem sind es vor allem diese Modifikationen an Android, die es den Herstellern so schwer machen, neue Android Versionen für Ihre Handys anzubieten. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will nimmt am besten ein “Nexus” Smartphone – diese werden direkt in Kooperation mit Google entworfen, haben immer “Vanilla Android” drauf und erhalten als erste die Updates auf neue Versionen.
Letztendlich sind aber auch diese Android-Varianten ein Stück weit Geschmackssache. Auch hier lohnt es sich, eventuelle Kandidaten mal ausgiebig auszuprobieren.
Neben den genannten Kriterien gibt es natürlich noch viele weitere, die aber vor allem in Sonderfällen eine wichtige Rolle spielen: Wer z.B. nicht gerne immer Firmenhandy und privates Smartphone gleichzeitig herumschleppen will, wird sich evtl. für Dual-SIM Geräte interessieren.Für andere ist wieder ein besonders kratzfestes Glas, Spritzwasserschutz oder ein ausgefallenes Design wichtig – einige dieser Aspekte kann man in der “Sonstiges”-Spalte des Smartphonevergleichs finden. Nachdem man sich zu den obigen Kriterien seine Wünsche zurechtgelegt hat kann man mit den Filterfunktionen im Vergleich schnell die Anzahl der Kandidaten reduzieren- Ein wenig herumspielen mit den Filtern lohnt auf jeden Fall, schließlich wird die Anzeige blitzschnell aktualisiert und das optimale Gerät ist nur ein paar Euro teurer als die bisher eingegebene Obergrenze – probiert es einfach mal aus!
Und wenn man dann auf ein paar Kandidaten gefunden hat, lohnt es sich auf jeden Fall, diese im Geschäft einmal in die Hand zu nehmen und damit herumzuspielen – denn letztendlich sind auch Smartphones trotz aller Technik-Spezifikation auch immer noch Geschmackssache!